thomas wrede

Felix Lange: Magic Worlds, FAZ (deutsch)

Magic Worlds

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2000

Text: Felix Lange

...In einem halben Dutzend deutscher Vergnügungsparks hat der Fotograf Thomas Wrede (Jahrgang 1963) nach Ausschnitten gesucht, die wenig zu tun haben mit Vergnügen. Vielmehr berichtet er in seinen Bildern der Spaßkulissen von der Fiktion eines Gefühls zwischen Amüsement und Abenteuer. Häme liegt ihm dabei fern. Lakonisch möchte man die Arbeiten nennen, manche wirken sogar melancholisch.

Nun haftet genaugenommen jedem Foto eim Moment von Melancholie an, denn immer berichten die Fotografen von einem Verlust. Was sie zeigen, ist vorbei und unwiederbringlich. Fotos sind Geschichte von dem Moment an, da der Fotograf auf den Auslöser drückt. Wredes Dokumentation jedoch vermittelt die wehmütige Stimmung aus dem gegenteiligen Grund: Sie schließt Geschichte aus. Alles ist hier künstlich, selbst die Tiere und Pflanzen. Über die glänzend lackierten Fassaden wird sich vermutlich nie Patina legen. Und kein Rost wird je den Edelstahl befallen.

Diese Arrangements eines Budenzaubers orientieren sich denn auch gar nicht mehr an der Welt, sondern an jenen Folien, die von der Unterhaltungsindustrie, vor allem dem Kino, so oft kombiniert und übereinandergelegt wurden, daß wir sie für eigene Erinnerung halten... Begeisterung aber in solcher Umgebung mu§ in letzter Konsequenz heißen, daß das Dasein auf dem besten Weg ist, selbst Fiktion zu werden.